Love Language – zwischen Red Flag und French Lover

February 11, 2026

Was den Valentinstag betrifft, habe ich ein ausgesprochen ambivalentes Verhältnis. Nicht, weil ich Aufmerksamkeit, Liebesbeweise oder Gedenktage grundsätzlich infrage stelle, sondern weil ich generell skeptisch werde, wenn es sich bei Ge- und Verschenkanlässen vor allem um Marketing handelt. Und dafür ist der Valentinstag ein Paradebeispiel. Jahr für Jahr sollen wir glauben, dass Romantik in einer Beziehung erstaunlich einfach zu haben ist: Blumen, eine Einladung zum Dinner, sexy Unterwäsche oder ein neues Parfum. Zur Not tun es auch fünf rote Rosen vom Discounter in der Plastikfolie.

Auch wenn man es manchmal nicht glauben mag: Die Kommunikation in einer Beziehung ist etwas komplexer als die Blumensprache. Sie wissen schon – rote Rosen bedeuten „Ich begehre dich“, gelbe Rosen „Wir sollten reden“. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Blumen. Aber ich mag keine Ersatzhandlungen. Nicht als Leistungsnachweis. Nicht als Pflichttermin. Und schon gar nicht, weil man ein schlechtes Gewissen hat. In dieser Hinsicht ist der Valentinstag Fluch und Chance gleichermaßen. Denn er eignet sich als potenzielles Fettnäpfchen ebensogut wie als wiederkehrende Erinnerung. Beziehungen benötigen kontinuierliche Aufmerksamkeit und keinen Kalendertag.

Dabei war der Valentinstag ursprünglich weder Blumen- noch Schokoladenereignis. Die Legende des heiligen Valentin erzählt vielmehr von heimlichen Trauungen, von Paaren, die gegen äußere Widerstände zusammengebracht wurden, von Bindung als bewusste Entscheidung. Liebe war kein Konsumgut, sondern ein Versprechen. Erst viel später, mit Industrialisierung und Massenkultur, bekam die Liebe ein Datum im Kalender mit der Erwartung: Heute bitte fühlen. Heute bitte romantisch sein. Was dabei verloren ging, war die eigentliche Idee: Nähe entsteht nicht aus einem Anlass heraus, sondern durch Vertrauen und Loyalität. Und genau das lässt sich weder punktuell erledigen noch beiläufig abhaken. Man muss es sich erarbeiten. 

In diesem Kontext taucht seit einigen Jahren ein Begriff auf, der erstaunlich populär geworden ist: Love Language. Ursprünglich stammt er aus der Paartherapie und beschreibt unterschiedliche Arten, Zuneigung auszudrücken oder wahrzunehmen durch Worte, Taten, Geschenke, Zeit, oder Berührung. Gedacht war es damals als Beobachtungsmodell. In der Praxis wird es heute allerdings oft wie ein Beziehungs-Persönlichkeitstest benutzt: Einmal zugeordnet, für immer erklärt und endlich eine Anleitung für Nähe. Das Problem: Beziehungen funktionieren leider nicht wie ein Staubsauger mit einer Gebrauchsanweisung. Ein alltägliches Beispiel macht dies deutlich: Eine Person plant ein Dinner für einen romantischen Abend zu zweit. Die andere kommt erschöpft nach Hause, öffnet ein Bier, greift zur Chipstüte und schaltet den Fernseher ein und schaut Fußball. Beide bemühen sich. Beide fühlen sich unverstanden. Jeder meint Nähe – und sendet ein Signal, das auf der anderen Seite nicht verstanden wird. Fußball ist kein Drama. Aber eben auch nicht das, was man von einem „French Lover“ erwartet. Mit anderen Worten: Nähe scheitert selten an mangelnder Zuneigung, sondern an missverständlicher Kommunikation. Das Ergebnis ist dann statt "Can’t Get Enough", womöglich eine „Red Flag“, die der andere nicht einmal bemerkt.

Nähe entsteht nicht durch symbolische Übererfüllung. Sie entsteht durch Aufmerksamkeit im Alltag. Durch Kommunikation, die nicht nur sendet, sondern auch empfängt. Und genau hier könnte der Valentinstag interessant werden – sofern man ihn nicht als Pflichttermin begreift, sondern als wiederkehrenden Reality-Check in Sachen Beziehung. Dass Duft in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle spielen kann, ist kein Zufall. Ein Parfum erklärt nichts, verspricht viel, aber fordert nichts ein. Man trägt es für jemanden oder eben nur für sich. Man teilt es oder behält es. Duft ist Kommunikation ohne Stimme. Und vielleicht deshalb oft ehrlicher, romantischer und emotionaler als jede gut gemeinte Geste. Der Valentinstag muss also nicht abgeschafft werden, sondern sollte wesentlich öfter als einmal im Jahr stattfinden. Denn Gefühle zeigen sich selten am 14. Februar, aber fast immer an den Tagen vorher und danach.

Christiane Behmann

Christiane Behmann


Christiane Behmann ist Diplom Sozialwissenschaftlerin und Texterin. Nachdem sie lange Jahre als Pressereferentin für verschiedene Unternehmen tätig war, wagte sie 2000 mit einer eigenen Werbeagentur den Schritt in die Selbständigkeit. 2007 gründete sie das „Archiv für Duft & feine Essenzen“ und war damals eine der ersten Bloggerinnen Deutschlands. Seit 2009 war sie außerdem Inhaberin vom Duftcontor in Oldenburg und arbeitet jetzt wieder in ihrem alten Beruf.