War 2025 wirklich so schlecht, wie es sich für viele angefühlt hat? Bei mir blieb vor allem eines hängen: Kaum ein Tag ohne mediengeschürte Krise - und ein Sommer, der nicht wirklich einer war. Davon abgesehen erlebte ich das Jahr als erstaunlich ruhig, fast ein wenig langweilig. Keine großen Höhen, keine tiefen Einschnitte. Eher ein gleichmäßiges Dahinlaufen.
Ähnlich nüchtern fiel mein Eindruck bei den Dufttrends 2025 aus. Wirklich Aufregendes war rar. Neben Kirsche, Mango und anderen tropischen Früchten standen vor allem Pistaziendüfte im Fokus - ein Nachhall des „Dubai-Schokoladen“-Hypes, der im Jahr zuvor noch für Verkaufsrekorde im Weihnachtsgeschäft gesorgt hatte. Doch entgegen vieler Erwartungen wollten im Anschluss deutlich weniger Menschen dauerhaft nach süßer Pistaziencreme und Krokant-Schokolade duften. Gourmand war zwar ein Thema, aber die Ausrichtung verschob sich spürbar: Weg vom extrem Zuckrigen, hin zu salzigen, würzigen - oder gar „umamiartigen“ Facetten, mit Tiefe, Wärme und einer fast herzhaften Anmutung.
Überhaupt fällt im Rückblick vor allem auf: Die meistverkauften Parfums sind intensiv und präsent. Performance und Sillage spielen nach wie vor eine große Rolle. Das spiegelt sich auch bei den Aus Liebe zum Duft-Bestsellern wider: von Bois Impérial und Ganymede bis hin zu Guidance oder Blonde Amber - die Bestseller 2025 sind keine olfaktorischen Leichtgewichte und markieren den Raum mit intensivem Nachhall. Insofern ist Parfum auch in diesem Jahr für viele ein Statement. Gesehen - oder besser: gerochen - zu werden, ist relevant, und Düfte dienen als Verstärker der eigenen Persönlichkeit und Präsenz.
Auffällig ist zudem, wie stark maskulin gelesene Duftcodes wie Holz, Weihrauch, Amber oder Moschus den Verkaufserfolg prägten. Ob Männer dabei auch 2025 die Umsatztreiber der Branche waren oder ob Frauen zunehmend gezielt maskuline Duftbilder wählen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Immerhin ist der Megaseller Bois Impérial von Essential Parfums konzeptionell ein klassischer Unisexduft.
Deutlich zeigte sich hingegen ein zweiter, fast widersprüchlicher Trend im Luxus- und Nischenduftsegment: Preisbewusstsein. Dass Essential Parfums vor allem dank Bois Impérial die meistverkaufte Marke bei Aus Liebe zum Duft im Jahr 2025 war, spricht eine deutliche Sprache. Wir verzichten nicht, aber wir wägen ab. Gefragt waren nicht generische Gefälligkeitskonzepte, sondern Qualität, Idee und Originalität in einem Preissegment, das sich viele leisten können. 2025 wurde gerechnet - ohne dass der Anspruch verloren ging.
Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Zumindest, wenn man in der scheinbar unantastbaren Lifestyle-Elite-Liga spielt: Baccarat Rouge 540 von Maison Francis Kurkdjian gehörte auch in diesem Jahr wieder zu den konstanten Top-Sellern bei Aus Liebe zum Duft. Trotz zahlloser Dupes. Trotz Ermüdung. Trotz Influencer- und Netz-Kritik ist Baccarat Rouge längst ein Statusmarker und Erkennungszeichen. Wenn schon, dann will man das Original - koste es, was es wolle.
Übrigens existiert das viel beschworene - und von mir sehr geliebte - Segment der „Clean“ und „Skin Scents“ durchaus parallel. Diese Düfte dominierten zwar nicht den Umsatz, sorgten aber für die eine oder andere positive Überraschung, etwa Love-O-Matic von Room 1015. Ein weiterer, eher leiser, dafür langlebiger Trend zeigte sich mit Genetic Bliss von 27 87 Perfumes: Layering. Duft wird hier modular gedacht, synthetische Moleküle werden gezielt als Verstärker oder Basis eingesetzt, um individuelle Duftsignaturen zu bauen - statt sie fertig zu kaufen.
Interessanterweise zeigten Klassiker wie Musc Ravageur, Avignon oder Tihota von Indult eine bemerkenswerte Stabilität. Weniger aus Nostalgie als aus Vertrauen. Diese Düfte müssen niemanden überzeugen. Sie stehen für sich.
Denkt man die Signale aus 2025 weiter, spricht im kommenden Jahr vieles für:
– klarere Konzepte
– weniger olfaktorisches Overdesign
– eine durchdachte Balance aus Idee und Preisgestaltung
Und hier wird es persönlich. Nach einem Jahr, das mehrheitlich von Intensität und Präsenz geprägt war, wünsche ich mir für 2026 mehr intelligente, zeitgemäße Konzepte - und innovativ durchdachtes Packaging. Neue Marken wie Chambre 52 oder Sabé Masson zeigen großes Potenzial: Weniger durch spektakuläre Lautstärke als durch eine individuelle Signatur und ein klares Branding. Wirkung kann eben auch leise entstehen - sie muss nicht schreien, um relevant zu sein.
Vielleicht ist das der eigentliche Ausblick:Die Frage ist nicht, ob lauter oder leiser – die Antwort lautet: bewusster.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für 2026.


